Was ist Kendō?

Kendō [kendoː] (jap. 剣道, ken = Schwert und dō = Weg oder Weise)
… die moderne Art des japanischen Schwertkampfes

Viele Jahrhunderte lang, kämpften die Samurai (Japans Kriegerkaste) mit rasiermesserscharfen Schwertern auf Leben und Tod. Jeder Fehler konnte der letzte sein. Wer auf dem Schlachtfeld überleben wollte, musste hart und realistisch trainieren. Durch die ständige Gefahr für das eigene Leben entwickelten die Krieger von damals nicht nur immer bessere Trainingsmethoden, sondern auch eine geistige Disziplin, als Weg der Meditation und Selbsterkenntnis.  
Das Schwert wurde irgendwann durch Feuerwaffen abgelöst, aber die Tradition der Schwertschulen und Schmiedekunst ist uns bis heute erhalten geblieben.

KENDO HEUTE:

Vor ca. 250-300 Jahren wurde das SHINAI (Schwert aus Bambus) und die BOGU (Schutzausrüstung) entwickelt. Die Samurai konnten jetzt Techniken/Schläge realistisch üben ohne Risiko seine Trainingspartner zu verletzten.
Seit dieser Zeit hat sich Kendo ständig weiterentwickelt und ist nach dem 2. Weltkrieg zu einer beliebten Sportart in Japan und der Welt geworden.
In Japan ist Kendo sogar Schulsport!Es gibt regelmäßig stattfindende Welt- und Europameisterschaften, nationale und von Klubs organisierte Turniere. Weltweit einheitliche Graduierungen, ein weltweiter Verband (IKF – International Kendo Federation) unterteilt in Regionen (Europa – EKF, USA, Asien etc…) bis runter auf Länderebene (Japan – AJKF, Deutschland – DKenB etc….), sorgen für die Verbreitung dieser faszinierenden Sportart.

WETTKAMPFREGELN:

Heute sind nur ein paar Trefferflächen erlaubt (MEN – Kopf, KOTE – Handgelenke, DO – Rumpf, TSUKI – Hals). Die Kampfläche (SHIAI-JO) ist quadratisch und misst ca. 10mx10m. Die Kampfzeit ist meist 5 min. und es wird gekämpft bis ein Kämpfer 2 Punkte gemacht hat oder man mit 1:0 in Führung liegt und die Zeit abgelaufen ist. Bei einem Unentschieden wird so lange weitergemacht bis ein Punkt fällt. Ob ein Treffer auch ein Punkt ist, entscheiden 3 Kampfrichter indem sie jeweils eine rote oder weisse Fahne heben, analog den Bändern, die die Kämpfer am Rücken tragen.
Am Kampfrichtertisch werden die Ergebnisse notiert und Zeit gemessen.
Ein Treffer ist nur dann gültig wenn der Schlag mit der Einheit von Geist, Schwert und Körper (Ki-Ken-Tai-Ichi) ausgeführt wird. Ebenso entscheidend ist das Timing, die korrekte Körperhaltung, der Kampfgeist und die richtige Seite des Shinais mit der geschlagen wird.
Damit er erkennen kann wann es ein Punkt (IPPON) ist, braucht ein Kampfrichter (SHIMPAN) selber sehr viel Wettkampferfahrung und ein gutes Auge.
Es gibt Einzelwettkämpfe und Teamwettkämpfe. Bei einem Turnier wird in der Regel im KO Modus gekämpft bis nur noch zwei Kontrahenten/Teams im Finale um den 1. Platz kämpfen.

Kendo Trefferflächen

TRAINING:

Kendô wird barfuß in der Turnhalle (DOJO) trainiert. Beim betreten/verlassen des DOJO begrüßt/verabschiedet man sich mit einer Verneigung die/von den Anwesenden (Trainer und andere Schüler). Das ist REIHO (Benimmregeln) und eines der wichtigsten Aspekte des Kendo.
Man sagt: Kendo beginnt und endet mit REIHO. Vor und nach jeder Übung mit einem neuen Partner zeigt man so den Respekt für sein Gegenüber.Es gibt das Training in Rüstung (Shinai-Kendo) und die Kata (Formen mit dem Holzschwert):“Shinai-Kendo” (Rüstungstraining)
Das Training besteht aus verschieden Teilen. Nach einem allgemeinen Aufwärmen und Muskeldehnen (für Kinder einigen spielerischen Übungen) folgen “trockene” Schlagübungen, ohne Rüstung und Gegner (SUBURI).
Hier wird die richtige Haltung und Schlagtechnik geübt.Danach ziehen Fortgeschrittene (ab ½ – 1 Jahr Praxis) die komplette Rüstung an und üben verschiedene Ausdauer-, Schlagübungen und Techniken mit dem Partner.
Die “Neulinge” (Ohne Rüstung) machen mit den “Trockenschlagübungen” solange weiter bis diese einigermaßen kontrolliert ausgeführt werden können.
Das Training wird abgeschlossen mit einem “freien” Kampftraining (JI GEIKO).
Hier versucht man das Gelernte ohne Absprache in freien Kampfsituationen umzusetzen.

Kata
In der Kata werden mit einem Holzschwert (BOKUTO) ohne Schlagkontakt die Kendo-Form und Techniken geübt. Anders als ein Shinai hat das Bokuto die Form eines echten Schwertes (KATANA). Man bekommt so ein besseres Gefühl für die Techniken mit dem Shinai in Rüstung.

Es gibt zwei Arten der Kata:

Nihon Kendo Kata: gibt es seit etwas mehr als 100 Jahren und ist aus den Formen verschiedener alter japanischer Fechtstile zusammengestellt. Besonderen Einfluss nahm dabei die noch heute existierende Ono-ha-itto-ryu, deren Kata große Ähnlichkeiten mit der Nihon-Kendō-Kata hat. Das moderne Kendo und auch die Kata wurden von dieser Schwertschule maßgeblich geprägt. Die Kata besteht aus 10 Formen (7 mit dem Langschwert + 3 mit dem Kurzschwert). Es gibt einen Lehrer (Uchidachi) und einen Schüler (Shidachi) die jeweils einen Angrif bzw. Kontertechnik üben.

Kihon Kendo Kata: Die Übungsmethode der Kendō-Grundtechniken mit dem Bokutō, vermittelt dem Kendōka grundlegende Techniken und ergänzt so das Training mit dem Shinai. Es gibt neun Formen. Die Übenden werden „Motodachi“ und „Kakarite“ genannt. Dabei wird wie in der Nihon-Kendō-Kata an- und abgegrüßt.

GRADUIERUNGEN:

Es gibt Schülergrade (Kyu) und Lehrergrade (Dan) die nur mit einer Prüfung erlangt werden können. Im Deutschen Kendobund (DKenB) gibt es sechs Kyū-Grade beginnend mit dem 6. Kyū, als niedrigstem und dem 1. Kyū als höchstem Grad. Anschließend beginnen die Dan-Grade vom 1. bis zum 8. Dan.

Zwischen den Kyu-Graden müssen mindestens 6 Monate vergangen sein um die nächste Prüfung machen zu dürfen. Zwischen dem 1. Kyu und 1. Dan mindesten 1 Jahr.
Die nächste Dan-Prüfung darf man erst nach einer Wartezeit vom aktuellen Dan-Grad in Jahren machen. (Bsp. 2. Dan nach einem Jahr, 3. Dan nach zwei Jahren etc…)

Beim Kendō ist der 8. Dan (Hachidan) der höchste durch eine Prüfung zu erlangende Grad. Diese Prüfung wird zweimal pro Jahr in Japan abgehalten (Frühjahr und Herbst).
Es bestehen weniger als 1% der Teilnehmer.

AUSRÜSTUNG:

Die Ausrüstung um Kendo betreiben zu können besteht aus der Kleidung Hosenrock und Jacke (Hakama/Gi), dem Bambus- (SHINAI) und Holzschwert (BOKUTO) und der Rüstung (BOGU).
Die Rüstung an sich besteht aus dem Lendenschutz (TARE), Rumpfschutz (DO), Handschuhe (KOTE) und dem Kopfschutz (MEN).

In den ersten Wochen reichen lockere Sportklammoten (lange Hose/T-Shirt) und die Schwerter (SHINAI/BOKUTO) vollkommen. Nach 1-2 Monaten, macht es Sinn sich eine Hakama und Gi zu besorgen und schon mal für eine Rüstung zu sparen. Nach ca. 6-9 Monaten regelmäßigen Training ist man dann reif für die Bogu.

Es gibt verschieden Online-Shops mit einer großen Auswahl an Kendoausrüstung in verschiedenen Qualitäten. Die beste Qualität gibt es natürlich in Japan, wobei Korea und China ein gutes Preisleistungsverhältnis bieten. Grundsätzlich sollte man lieber ein paar Euro mehr für gute Qualität ausgeben als nur nach den billigsten Sachen zu greifen. Eine gute Rüstung kann mehrere Jahre benutzt werden, wenn man sie richtig pflegt.

GESUNDHEIT/FITNESS:

Kendô ist eine sehr dynamische Kampfsportart mit hohem Spaßfaktor, wenn man erst mal die Grundschläge gemeistert hat. Richtiges Kendô führt nicht zu Verletzungen, abgesehen von gelegentlichen Blasen oder blauen Flecken.
Das regelmäßige, anstrengende Training fördert die Ausdauer, Muskulatur, Schnellkraft, Gleichgewichtssinn, Konzentration, Aufmerksamkeit und das Selbstbewusstsein.
In der Regel kann man Kendo bis ins hohe Alter trainieren.
Kendoka im Alter von 80 Jahren und mehr sind keine Seltenheit.
Man sollte Kendo so anstrengend und intensiv wie möglich trainieren aber niemals übertreiben. Das Ziel muss sein „morgen“ wieder ins Dojo zu kommen um weiter zu trainieren.

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